Was ist eine WC-Vermietung wert?

Ratgeber · Lesezeit etwa 7 Minuten

Warum die Anzahl der Kabinen die falsche Leitfrage ist – und welche Zahlen ein Käufer stattdessen ansieht.

„Wir haben 800 Kabinen – was ist der Betrieb wert?“ Diese Frage kommt in fast jedem ersten Gespräch, und sie ist verständlich. Beantworten lässt sie sich so nicht, weil die Stückzahl in dieser Branche über den Wert fast nichts aussagt.

Der Ausgangspunkt ist der Ertrag

Ein Vermietbetrieb wird in aller Regel über sein nachhaltiges, bereinigtes Ergebnis bewertet – also über das, was er dauerhaft erwirtschaftet, wenn man Sondereffekte, überhöhte oder zu niedrige Geschäftsführergehälter und private Positionen herausrechnet. Auf dieses bereinigte Ergebnis wird ein Faktor angewendet.

Die interessante Frage ist deshalb nicht „wie viele Kabinen“, sondern: Wie hoch ist das Ergebnis, wie stabil ist es, und welcher Faktor ist gerechtfertigt?

Was den Faktor nach oben treibt

  • Hohe Tourendichte – viele Servicestopps je Fahrzeug und Tag
  • Hoher Anteil langfristig platzierter Einheiten statt Tagesgeschäft
  • Rahmenverträge mit Bauunternehmen, Industrie oder Kommunen
  • Breite Kundenbasis ohne dominierenden Einzelkunden
  • Ein Betrieb, der ohne den Inhaber weiterläuft
  • Gepflegter, einheitlicher Bestand mit bekanntem Investitionsbedarf
  • Eigener Betriebshof mit Reinigung, Wasser und Entwässerung

Was den Faktor nach unten zieht

  • Ein Drittel des Bestands steht ungenutzt auf dem Hof
  • Weit verstreute Standorte mit langen Anfahrten je Servicepunkt
  • Sämtliche Kundenkontakte laufen über den Inhaber
  • Zwei Kunden machen die Hälfte des Umsatzes
  • Servicepreise, die seit Jahren nicht angepasst wurden
  • Ungeklärte Entsorgungssituation oder auslaufender Standortmietvertrag

Der Bestand ist keine eigene Position – meistens

Ein häufiges Missverständnis: Viele Unternehmer erwarten, dass der Kabinenbestand zusätzlich zum Ertragswert vergütet wird. In der Regel ist er es nicht, denn er ist ja genau das Mittel, mit dem der Ertrag erwirtschaftet wird – er steckt bereits darin.

Anders sieht es aus, wenn ungewöhnlich viel nicht betriebsnotwendiges Vermögen vorhanden ist: ein großer, nicht ausgelasteter Zusatzbestand, ein Grundstück, das der Betrieb nicht braucht, oder ein hoher Kassenbestand. Solche Positionen werden gesondert betrachtet.

Was Sie in den Jahren davor beeinflussen können

Mehr, als die meisten glauben. Wer drei Jahre Vorlauf hat, kann Preise anpassen, den ungenutzten Bestandsanteil abbauen, Touren neu schneiden, einen zweiten Ansprechpartner bei den wichtigsten Kunden einführen und die Dokumentation ordnen. Jeder dieser Punkte wirkt direkt auf Ergebnis oder Faktor – und damit auf den Preis.

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