Wie wird ein mobiler Toilettenbestand bewertet?

Ratgeber · Lesezeit etwa 6 Minuten

Neupreis, Buchwert oder Ertragswert: Welche Zahl bei einem Kabinenbestand wirklich zählt.

Beim Bestand mobiler Toiletten treffen drei Zahlen aufeinander, die selten zusammenpassen: der Wiederbeschaffungswert, der Buchwert und der Ertragswert. Nur die dritte ist für einen Käufer wirklich relevant.

Warum der Neupreis in die Irre führt

Eine neue Standardkabine kostet einen bekannten Betrag. 800 Kabinen ergeben also eine beeindruckende Summe. Nur: Kein Käufer zahlt Neupreise für gebrauchte Kabinen, und kein Betrieb erwirtschaftet mit stehendem Bestand etwas. Der Neupreis ist eine Obergrenze, die für die Bewertung praktisch keine Rolle spielt.

Warum der Buchwert ebenfalls wenig sagt

Der Buchwert folgt der steuerlichen Abschreibung, nicht der Wirklichkeit. Vollständig abgeschriebene Kabinen, die täglich vermietet sind, haben einen realen Wert. Umgekehrt kann eine erst zwei Jahre alte Sonderanfertigung ohne Nachfrage bilanziell viel und wirtschaftlich wenig wert sein.

Die Kennzahl, auf die es ankommt

Interessant ist die Frage: Was verdient eine Einheit pro Jahr? Also Vermiettage oder Mietmonate, Mietpreis und Serviceerlös je Einheit – abzüglich der Kosten, die sie verursacht. Aus dieser Perspektive wird sofort sichtbar, was viele Betriebe selbst überrascht: Ein Teil des Bestands verdient nichts, sondern kostet nur Stellfläche, Reinigung und Kapitalbindung.

Was ein Käufer sich ansieht

  • Anzahl der Einheiten nach Typ: Standard, Premium, barrierefrei, Urinal, Waschstation
  • Anteil der aktuell vermieteten Einheiten am Gesamtbestand
  • Durchschnittliche Mietdauer je Typ
  • Hersteller, Baujahre und Ersatzteilversorgung
  • Zustand: Tank, Sitz, Spülung, Türen, Lüftung, Verschmutzungsgrad
  • Anteil Sonderanfertigungen ohne Ersatzteilversorgung
  • Reparaturstau und Anteil nicht vermietbarer Einheiten

Der stille Wertvernichter: Bestand, der steht

Ein häufiges Muster: Ein Betrieb hat über Jahre gekauft, weil im Sommer Einheiten fehlten. Im Winter steht dieser Bestand. Über das Jahr gerechnet sinkt damit die Rendite je Einheit – und mit ihr der Wert des gesamten Bestands.

Wer das erkennt, hat einen Hebel: Überzähligen Bestand vor dem Verkauf abzubauen oder in eine Region zu verlagern, in der er ausgelastet ist, verbessert die Kennzahlen mehr als jede Verhandlungstaktik.

Und die Sonderfälle?

Barrierefreie Kabinen, Waschstationen und Premium-Einheiten erzielen höhere Mieten, werden aber seltener nachgefragt. Ihr Wert hängt fast vollständig davon ab, ob es im Kundenstamm Abnehmer dafür gibt – bei Kommunen und Veranstaltern in aller Regel ja, bei reinem Baustellengeschäft eher nein.

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